Die Corona Pandemie spielte Delivery Hero 2020/2021 in Hinblick auf die Umsätze in die Karten: Durch steigendes Bestellvolumen, als Resultat aus Ausgangsbeschränkungen und Lockdown, konnte der Essenslieferdienst 2020 die Umsätze fast verdoppeln. Allerdings sind trotzdem hohe Verluste zu beklagen, da das Unternehmen weiter stark in die Expansion investiert. Wie der Firmenchef Niklas Östberg bei der Präsentation der Quartalszahlen mitteilte, habe Wachstum für Delivery Hero höchste Priorität. Profitabilität sei erst einmal zweitrangig. Zu den Ausgaben für die massive Expansion gehören Investitionen in die Infrastruktur, Beteiligungen an neuen Wettbewerbern und die Einnahme neuer Märkte. Business Insider berichten, dass Delivery Hero zum Beispiel bei der Konkurrenz “Gorillas” einsteigen wolle.

Woher kommen die 1,4 Milliarden Euro Verluste bei Delivery Hero?

Wie bereits erwähnt, investiert Delivery Hero kräftig in das Wachstum des Unternehmens. Die Investitionen machen sich unterm Strich zunächst als deutliches Verlustgeschäft bemerkbar. Die Einführung von zusätzlichen Lagerflächen, um auch Lebensmittel ausliefern zu können, die Einstellung neuer Kuriere für die Fahrdienste und ein aggressives Marketing treiben die Ausgaben des Unternehmens in die Höhe. Insgesamt 1,4 Milliarden Euro Verlust stehen am Ende des Kalenderjahres 2020 im Bericht von Delivery Hero.

Entwicklungen bei Delivery Hero

Schwerpunktmäßig war Delivery Hero in den letzten Jahren in Asien und dem Nahen Osten aktiv. Durch die Übernahme des südkoreanischen Lieferdienstes Woowa im März 2021 für 5,7 Milliarden Euro konnte Delivery Hero seine Position in Asien weiter stärken. Allerdings musste das Unternehmen dafür seine dortig eigene Marke Yogiyo verkaufen.

Die Coronakrise zeigte sich mitverantwortlich für das Erreichen der Wachstumsziele von Delivery Hero 2020/2021. Als Resultat aus den Restaurant Schließungen in den Lockdowns, stieg die Nachfrage der Restaurants bei Lieferportalen gelistet zu werden und Verbraucher bestellten mehr Essen nach Hause. Zukünftig sollen bei Delivery Hero weitere Investitionen in Höhe von 550 Millionen Euro geplant sein. Delivery Hero sichert sich zudem immer wieder Anteile an Konkurrenzunternehmen. So hält Delivery Hero etwa 5% der Deliveroo Aktien, rund 7% an Just Eat Takeaway (Lieferando), 37% am spanischen Startup Glovo und 20% am südamerikanischen Player Rappi im Marktwert von etwa 2,3 Milliarden Euro.

Trotz aggressiver Investitionsplanung will Delivery Hero zukünftig stärker auf die Kosten achten. 2020 sanken die Verluste auf 1,4 Milliarden Euro. 2019 waren es noch 1,63 Milliarden Euro 2019.

Delivery Hero kehrt trotz Verlusten nach Deutschland zurück

Delivery Hero hatte sich nach dem Verkauf von Lieferheld, Foodora und pizza.de an den Konkurrenten Lieferando vom Deutschen Markt zurückgezogen. Stattdessen konzentrierte sich das Unternehmen primär auf den asiatischen Markt. Nun ist das Berliner Unternehmen Delivery Hero mit der Marke Foodpanda zurück in Deutschland und schreibt umgehend rote Zahlen. Nach einer Testphase in Berlin wird der Foodpanda Service bald auch in Frankfurt, Hamburg und München verfügbar sein. Über Foodpanda sollen nicht nur Mahlzeiten geliefert werden, sondern auch Supermarktartikel, ähnlich wie es auch Getir oder Gorillas anbieten. Nach den veröffentlichten Geschäftszahlen betrug der Verlust im ersten Halbjahr 2021 ganze 918 Millionen Euro Verlust. Damit hat sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Im ersten Halbjahr 2020 betrug dieser 448 Millionen Euro. Allerdings ist auch der Umsatz von Delivery Hero um mehr als das doppelte gestiegen.

Delivery Hero will Umsätze durch Lieferung von Supermarkt Artikeln weiter pushen

Ein Großteil der Investitionen bei Delivery Hero wird aktuell in den Ausbau von Dmarts gesteckt. Dmarts bezeichnet eigene Delivery Hero Lagerhäuser, die die schnelle Auslieferung von Supermarkt-Artikeln sicherstellen können. Auch Medikamente, Elektrogeräte oder Blumen sollen in Zukunft innerhalb von 60 Minuten ausgeliefert werden. Andere Anbieter wie Gorillas, Flink oder Getir sind in jüngerer Vergangenheit mit ähnlichen Geschäftsmodellen in Deutschland an den Start gegangen. Alle Anbieter haben rein finanziell mit enormen Startschwierigkeiten zu kämpfen. Die höheren Preise, der per Fahrrad gelieferten Supermarktartikel, macht das Business für viele Verbraucher noch nicht attraktiv genug. Alle Anbieter beklagen in der Startphase hohe Verlustgeschäfte. Trotzdem scheint NIklas Östberg, Konzernchef von Delivery Hero, das Schnellliefer-Business für einen enormen Wachstumsmarkt zu halten, bei dem Foodpanda eine entscheidende Rolle spielen soll. Immerhin ist der Bestell Boom bei Verbrauchern ungebrochen. Bereits jetzt erwirtschaftet Delivery Hero durch den Bereich des Quick Commerce 10% des Gesamtumsatzes.

Fazit: Konkurrenz im Liefergeschäft bleibt groß

Die Bewegungen am Lieferdienst Markt in Deutschland sind aktuell deutlich zu spüren. Neue Anbieter treten am Markt auf und alte kehren wieder zurück. Die Monopolstellung von Lieferando scheint allmählich wieder aufzubrechen. Das dürfte für Gastronomen wie Verbraucher von Vorteil sein. Welche Liefer Anbieter sich auf dem deutschen Markt am Ende halten kann, bleibt hingegen ungewiss. Die Erfahrung von Delivery Hero spricht allerdings dafür, dass sich das Unternehmen mit Foodpanda wieder gut in Deutschland positionieren können wird. Ob der Anbieter sich hierbei auf wenige Großstädte fokussiert oder weiter expandiert, bleibt abzuwarten.

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